"Auf ein Wort ..."

Die Erde brennt

 

Am 12. August habe ich, wie viele Menschen, zuerst den Sonnenuntergang und in der Nacht dann die Sternschnuppen des Perseiden-Schauers beobachtet. Ich war gerade bei meiner Familie im Südburgenland, in einem kleinen Dorf mit wenig Beleuchtung, und selten habe ich einen derartig strahlenden Nachthimmel erlebt. Es war Neumond und es gab absolut keine Wolken, und so waren die Tiefe und das Strahlen, in das man in jener Nacht blicken konnte, einfach atemberaubend. Die Kostbarkeit unseres Planeten, die Einzigartigkeit unserer Erde, aber auch das Gefühl, wie winzig sie in der Unendlichkeit des Weltalls ist, wurden mir wieder einmal mit überwältigender Klarheit bewusst.

Angesichts meiner Großneffen, drei und elf Jahre alt und angesichts des Hitzesommers, der unsere Welt heuer vielfach in Brand setzte, stelle ich mir die Frage, ob wir mit der Zerstörung dieses kostbaren, blauen Kleinods mit all seinen Wundern und all seiner Schönheit schon den kritischen Punkt überschritten haben. Welche Welt hinterlassen wir der kommenden Generation? Wie gehen wir mit dem Geschenk dieser unfassbar perfekten Schöpfung um, in der jedes kleine Rädchen in ein anderes greift und ein komplexes, funktionierendes System bildet? Wie konnten wir der Gier, dem Konsum und der Bequemlichkeit unsere gesunde Umwelt opfern?

Letztlich: Wie sinnlos sind alle unsere Konflikte, vom kleinsten Streit bis hin zu den Kriegen, wenn wir die kurze Zeitspanne unseres irdischen Lebens betrachten in Relation zu den Milliarden von Jahren, seit unser Universum besteht? Ein Vers aus einem Hymnus kam mir in den Sinn:

„Klein ist die Spanne der Zeit, durch die unsere Jahrhunderte gleiten, kurz bemessen die Frist, heilig zu werden wie du…“ (Fulbert von Chartres, +1028).

Heilig zu werden könnte heute -  wie schon immer -  heißen: Einfach leben, Frieden suchen, Freude und Dankbarkeit zeigen und in Solidarität die Gaben der Schöpfung teilen.

Sr. Anna Kurz, Graz

Foto: Cristian Ibarra auf Pixabay

zur Druckversion

 

 

 

 

Das Universum ist in uns.
Wir sind aus Sternenstaub gemacht.
Wir wandern durch den Kosmos.

Carl Sagan