Vita contemplativa und Vita activa
Die Verbindung von aktiv und kontemplativ können wir fassen in Symbolen wie Himmels- oder Jakobsleiter, Treppe, Welle, Regenbogen – und Brücke.
Die Geschichte aus der Bibel (Lukas 38-42) ist bekannt: Jesus besucht die Schwestern Maria und Martha; Maria setzt sich zu seinen Füßen, Martha bewirtet. Auf ihre Beschwerde wegen mangelnder Unterstützung antwortet Jesus: „Maria hat den besseren Teil erwählt.“
Die beiden Frauengestalten personifizieren zwei Lebensmöglich- keiten, zwei Lebensmodelle.
Die Antwort Jesu kann bedeuten: Gut ist, die gegebene Aufgabe willig und achtsam auszuführen, den kontemplativen und den aktiven Part zu verbinden, je nach Person und Situation. „Aktiv“ und „kontemplativ“ sind scheinbar Widersprüche, doch aus unserer Sprache wissen wir, dass sitzen, hören und schauen ebenso Tunwörter (Verben) sind wie kochen, bedienen, putzen.
Das lateinische Verb contemplari („betrachten, anschauen“) hängt sprachlich zusammen mit lat. templum, dem (ursprünglich) inneren Tempel, einem heiligen Bezirk zur Betrachtung.
Wolfgang Kaps schreibt in seinen Forschungen über die Ursulinen in Neuburg: „Jede der Ursulinen führte ein Leben wie Maria und Martha zusammen.“ (Vom Ursulinenkloster zum Studienseminar und Gymnasium, Neuburg/Donau 2018, S. 95f.)
Deren besonderes Spezifikum ist Ganzheitlichkeit, wie die beiden Patrone Ursula und Angela Merici bezeugen.
Willigis Jäger beteuert: „Der Alltag ist das Ziel aller Mystik.“ Er verweist auf Meister Eckart, der dies an der Geschichte von Maria und Martha zeigt. (In jedem Jetzt ist Ewigkeit, Kösel-Verlag, München 2003)
Spiritualität und Glaube können im normalen Alltag integriert sein. Teresa von Avila hat das Verbindende im „Buch der Gründungen“ (Kapitel 5) formuliert: „Wisse, dass der Herr sich auch zwischen den Kochtöpfen bewegt und dir bei den inneren und äußeren Aufgaben zur Seite steht.“
So stelle ich mir das „neue Leben“ auf dem „alten Weg“ vor.
Selbstverständlich war diese Verbindung ein Anliegen Angela Mericis.
Rita Kunze, Aggregierte des Straubinger Konventes
Foto: Straubing, Blick von Gstütt auf die neue Agnes-Bernauer-Brücke,Autor Gomera-b - CC Attribution-Share Alike 3.0 Unporte, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=9967956
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Ich grüße euch beide,
heilige Maria und heilige Martha.
Ich danke für euer Vorbild
und bitte um eure Unterstützung.