Ich liebe den roten Mohn. In diesem Jahr blüht er besonders üppig. Zeigt uns die Natur noch einmal, was sie kann? Es ist wie ein Nachklang zu Otto Bierbaums Gedicht aus dem vori-gen Jahrhundert: Wenn im Sommer der rote Mohn wieder glüht im gelben Korn, wenn des Finken süßer Ton wieder lockt im Hagedorn, wenn es wieder weit und breit feierklar und fruchtstill ist, dann erfüllt sich uns die Zeit, die mit vollen Maßen misst… Idylle, zugegeben, aber wohltuend in den Zerreißproben unse-rer Tage. Einmal nur still sein, lauschen und Harmonie wahr-nehmen. „O wie schön ist Deine Welt, Vater, wenn sie golden strahlet…“1 Kann ich das überhaupt noch: still sein, ganz ohne meine technischen Geräte? Und: Darf ich so einfach genießen ange-sichts der erkennbar rasant fortschreitenden Umweltzerstö-rung? Zweimal: Ja! Wer die Natur nicht schätzt, weiß auch nicht, was wir verlieren. Es macht mich bescheiden und dank-bar, sie zu genießen. Zugleich macht es mir Mut zum Enga-gement für den Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen. Der kleine Text links erinnert mich, wie wichtig es ist, in der Wirklichkeit zu leben, gegenwärtig zu sein, auch wenn das mitunter Spannung bedeutet. Dazu wünsche ich uns allen einen guten Sommer!

Sr. Brigitte Werr osu, Ursulinen Leinefelde

1 Karl G. Lappe, Im Abendrot, von Franz Schubert vertont

 

Dem Himmel zuhören,
still sein,
damit Gegenwärtigkeit
die Zeit verdrängt.

© Monika Minder

 

Foto: field-of-poppies-807871 (Peter Dargatz auf Pixabay)

 

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