Die diesjährige Jahreslosung der evangelischen Kirche möchte ich ans Herz legen angesichts von allem, was in unserer Gegenwart niederdrückt und lähmt.
Im letzten Buch der Bibel, der Offenbarung, begrüßt Johannes kraftvoll die verunsicherte Gemeinde: „Gnade sei mit euch und der Friede von IHM, der ist, der war und der kommt.“
Danach lesen wir die Verheißung: „Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen. Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen“.
Und die Sinnspitze liegt im Versprechen: "Seht, ich mache alles neu". Dies liest sich wie ein Gegenentwurf zu unseren Erfahrungen. Die alte Welt mit Unrecht und zerstörender Gewalt wird überwunden.
Gottes Versprechen entlässt uns nicht aus der Verantwortung, zeigt aber, dass wir nicht in Hilflosigkeit versinken müssen. ER kommt uns immer wieder entgegen, kulminierend im verletzlichen Kind in der Krippe, und er begleitet uns auf dem Weg bis ans Ende der Zeiten.
Sein Versprechen befreit von dem Druck, selbst alles perfekt machen zu müssen. Und es hilft, der Angst vor den Mächtigen dieser Welt und allem Unfassbaren schutzlos ausgeliefert zu sein.
Ich wünsche uns diese Aufmerksamkeit für leise Zeichen, dieses „Siehe!“ - schau genau hin! Hier passiert etwas, was sonst deiner oberflächlichen Wahrnehmung verborgen bleibt“.
Denn schon JETZT kann eine tiefgreifende Verwandlung der Welt und des eigenen Lebens geschehen. Denn da ist EINER, der mitgeht, als Heiland und Hoffnungsbringer.
Üben wir uns ein, auf die leisen Töne des Neuwerdens zu hören und sie zu ergreifen. Alles fängt klein an, bei uns selbst, in unserem konkreten Leben.
Gottes Versprechen: „Siehe, ich mache alles neu!“ ermutigt, HEUTE zuversichtlich zu leben. Wenn ich Gott an meiner Seite weiß, dann weiß ich, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist – denn das spricht Gott.
Margot Maier, Aggregierte der Ursulinen von Straubing
Bild: Bamberger Apokalypse, Fol. 055r – Das neue Jerusalem (gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org)
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Was gut war, darf bleiben.
Was schwer war, darf gehen.
Nichts muss so bleiben wie es ist.
Auch nicht in meinem Leben.
Und was kommt, darf werden – mit Gott.