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„Bleibt auf dem alten Weg...
und lebt ein neues Leben.“

Seit gut 20 Jahren – seit meinem Ordens-eintritt – begleitet mich dieses Wort unserer Gründerin. Die Spannung, die hier ausge-drückt wird (alt – neu; Weg – Leben; Ver-
gangenheit – Zukunft; Tradition – Heuti-
gung), spricht mich an und fasziniert mich immer neu. Für mich ist dieser Satz eine große Ermutigung, mich selbst, mein Leben, der alten Botschaft von der bedingungslosen Liebe Gottes zu stellen und daraus neu, befreit, mein Leben zu gestalten.

Ich verstehe dieses Wort auch als Ausdruck der Spannung, die im Leben und Wirken Angela Mericis deutlich wird. Ihr Leben zeugt von einem „aggiornamento“, einer „Heuti-gung“, das in ihrem Tun deutlich wird. Für die Menschen ihrer Zeit war die heilige Angela eine Übersetzerin der frohen Bot-
schaft. Auch ich möchte Übersetzerin sein und erfahre dieses Wort als Ermutigung, mich dieser Herausforderung immer wieder neu zu stellen. Ganz konkret begleitet dieses Wort mich in meiner Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in einer Schule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung. Im Zusammenleben und –arbeiten, im Unter-
richt und in der Katechese darf ich Menschen begleiten, die oft einen spontanen Zugang zu dem „neuen“ Leben des Evangeliums haben. Sie fordern Kreativität, Freude, Spontaneität heraus und haben häufig einen 7. Sinn für das, was gut, echt, lebendig ist, was uns vom Schöpfer gegeben ist. In diesem meinem beruflichen Kontext lese ich das Wort der heiligen Angela so: Bleib an der Seite dieser Menschen mit ihren Beeinträchti-
gungen, Schwierigkeiten und geringen Möglichkeiten und gestalte mit ihnen ihr Leben: mit ihrer Energie, Kraft, Freude, ihrer Zuneigung, Spontaneität, Neugier, mit ihren individuell sehr verschiedenen, vielfältigen Ressourcen.

Sr. Angela Maria Antoni OSU
ist Ursuline in Straubing und arbeitet in einer Behinderteneinrichtung

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