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Textstelle: Regel, das Gebet, Kapitel 5

 

Wir kennen alle die folgende Stelle aus der Regel unserer hl. Mutter Angela:

„Wenn ich Arme in das Innere meines Herzens blicke, wage ich aus Scham nicht, die Augen zum Himmel zu erheben, denn ich verdiene es, lebendig von der Hölle verschlungen zu werden, weil ich in mir so große Irrtümer, so viel Hässliches und Böses, so große und erschreckende Verunstaltungen erkenne... Es schmerzt mich, dass ich so spät begonnen habe, deiner göttlichen Majestät zu dienen... Daher mein Herr, mein einziges Leben und meine Hoffnung, bitte ich dich, dass du gnädig mein geringes und unreines Herz annimmst und alle seine Gefühle und Leidenschaften im brennenden Ofen deiner göttlichen Liebe reinigst...“

Mich persönlich hat diese Textstelle immer sehr betroffen gemacht.

Ich kann mich erinnern, wie ich als junge Schwester nah daran war zu denken, dass bei dem heiligmäßigen Leben, das Angela führte, solche Gedanken vermutlich eine nicht leicht nachvollziehbare, äußerste Demutshaltung beschreiben. Im Laufe meines Ordenslebens reifte aber in mir eine andere Erkenntnis. Mancher braucht eben viel Zeit, um zu erfassen, wie unendlich groß - aber uns doch so nah - die Liebe Gottes ist. Ständig umfängt sie uns, nur liebende Aufmerksamkeit und Hellhörigkeit können uns helfen, sie auch im Alltag zu erkennen. Angela erkannte sie, ihr Herz war erfüllt von dieser Liebe. Wie sehr dann jede, äußerlich gesehen auch noch so kleine, menschliche Verfehlung schmerzen kann, hat sie offenbar durchlebt und durchlitten.

In der Jerusalemer Kirche „Gallicantu“ stellt ein Künstler auf seinem Gemälde den Augenblick dar, als Jesus mit gebundenen Händen Petrus nach dessen Leugnung anschaut. Grau wirkt das Gesicht des Petrus, zerfallen die Gesichtszüge. Seine Existenz - nur Scham und Schmerz. Und doch sagte Jesus gerade zu ihm: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen... „Mt 16, 18-19.

Das geheimnisvolle Zusammenwirken zwischen unserer Schuld und unserer Erlösung durch das Leiden Jesu wird hier offenbar. Von dieser, ich möchte sagen mystischen Verbundenheit mit ihm, ist Angela geprägt und so auch ihr Werk Gerade an dieser Stelle unserer Regel wird

ihr tiefes Eintauchen in Gott, für mich jedenfalls, besonders deutlich.

Mit Angela dürfen auch wir „das Gebet“ zu Ende sprechen. Es mündet in der totalen Hingabe an Gott: „Nimm an mein Denken , Sprechen und Tun... Alles lege ich deiner göttlichen Majestät zu Füßen. Und ich bitte dich, dass du es gnädig annimmst, obwohl es deiner nicht würdig ist. Amen.“

 

Sr. Maria Agnes Jünker, Ursuline von Calvarienberg.
Sie wurde 2003 aus dem Schuldienst verabschiedet und ist seitdem im Blandine-Merten-Fonds tätig.

 

 

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